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DISCIPLINE: TO SHATTER ALL ACCORD
VÖ: 11.11.2011
Es gibt sie… die Rede ist von Alben, denen man wie benommen zuhört. Mit Musik, die einen aus der Zeit fallen lässt und die in einer unbekannten Sprache mit dem eigenen Innern spricht. Leise, klar und deutlich und ganz vertraut. Erst nach dem Schlusston des letzten Stücks wird man wieder klarer…und drückt erneut den Startknopf…und es beginnt von vorn. Was vielleicht etwas pathetisch und wirr klingt, kann einem mit dem neuen Album von DISCIPLINE durchaus passieren. Matthews Parmenter und seine Band haben ein Kunstwerk geschaffen, verstörend und doch wunderschön und wert entdeckt zu werden.
"14 Jahre! 14 Jahre haben uns die Herren Parmenter, Bouda, Kennedy und Dzendzel warten lassen auf einen Nachfolger des Meisterwerks „Unfolded Like Staircase“. Was die Musiker in dieser Zeit getrieben haben weiß man - bis auf das Soloschaffen von Band-Kopf Parmenter – nicht. In den letzten Jahren gab es immerhin einige seltene Liveauftritte der Formation auf Festivals, aber mit einem neuen Album hat vermutlich niemand mehr gerechnet. Aber nun sind sie mit „To Shatter All Accord“ plötzlich wieder da und es ist, als wären sie nie weg gewesen. Discipline überzeugen mit all den Eigenschaften, die die Band in der Vergangenheit schon auszeichneten. Elegant konstruierte, durchweg eher längere, Songs gibt es zu hören, die mit moderaten Vertracktheiten, hinreißenden Gitarrensoli, kraftvoller, aber doch filigraner Rhythmusarbeit und geschmackvollen Tastenklängen aufwarten können. Es gibt vor allem klassische Klänge wie Piano, Mellotron und analoge Synthies, aber natürlich – wo es passt – auch orchestrale Flächen. Die Gitarre überzeugt mit einem sehr klaren Klang, fast wie eine zusätzliche Gesangslinie. Die Stimmung ist düster und packend. Die Songs scheinen wie eine dunkle Masse langsam aus den Boxen zu kriechen und sich des Hörers zu bemächtigten. Dazu trägt natürlich auch der hochemotionale Gesangsstil von Parmenter bei, dessen Stimme immer noch Schauer über den Rücken jagen kann. Bouda begeistert einmal mehr als einer der unbekanntesten Gitarren-Götter dieses Planeten. Neben Gesang und Tasten scheint Parmenter auch seine weiteren Instrumente wie Saxophon und Violine einzubringen, zumindest in „When She Dreams She Dreams In Color“ ertönt ein hinreißendes melancholisches Violinensolo, welches so natürlich klingt, dass es wohl kaum synthetischen Ursprungs ist. Und auch wenn immer noch so ein gewissen Van der Graaf Generator-Gefühl mitschwingt, so haben Discipline doch letztlich ihre ganz eigene Linie gefunden und ihre Musik klingt weder aufgesetzt modern, noch besonders retro, sondern im besten Sinne zeitlos. Die beiden ersten Tracks kennt man bereits aus dem Live-Programm von Discipline. Sie waren sogar schon beim Auftritt 1995 auf dem ProgDay zu hören. Die jetzigen Studiofassungen unterscheiden sich kaum von den Livefassungen, der Fan kennt diese Songs also im Prinzip, wobei "Circuitry" schon ungewöhnlich rau und hart für Discipline-Verhältnisse ist. Mit „Dead City“ folgt eine kleine Überraschung, denn der Song klingt von seinem Duktus und dem Instrumenteneinsatz her deutlich moderner als die bisherige Musik von Discipline (der Elektro-Drums-Einsatz mag machen Fan gar erschrecken), eine interessante neue Klangfarbe. Die beiden abschließenden Longtracks bieten allerdings dann wieder Discipline pur. Mit großen Gesten entfalten sich wahre Hörfilme, in denen die Band sich immer wieder zu nahezu hymnisch-bombastischen Instrumentalausbrüchen sammelt, die dann wieder von intimen, ruhigen Momenten, vor allem getragen von Parmenters zerbrechlichem Gesang, konterkariert werden. Das ist wirklich erhaben und „Rogue“ ist der würdige Nachfolger eines „Canto IV“. Discipline sind wieder da und das Wiederhören bereitet große Freude. Vielleicht gelingt es der Band nun, etwas mehr Bekanntheit zu erlangen und vielleicht nicht wieder 14 Jahre für das nächste Album zu benötigen (Material wie die ebenfalls bisher nur als Liveversionen vorliegenden "Mickey Mouse Man" oder "Wrists" gäbe es ja noch)."
Review: Thomas Kohlruß/BBS - 12/15 Punkten
Tracklist:
1. Circuitry 6:16
2. When the Walls are Down 7:30
3. Dead City 5:15
4. When She Dreams She Dreams in Color 13:41
5. Rogue 24:05
Format: CD | BestellNr.:13106 | Preis: € 12,99
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